Georgius Bonsack, 

der Generalsuperintendent von Braunschweig-Lüneburg

Über Georgius Bonsack  wissen wir, daß er (vermutl.) 1535 als Sohn eines Bürgers in Hannover geboren wird und auch in Hannover die Schule besucht. Über die Umstände an den Einrichtungen, die auf das Studium vorbereiteten, wie beispielsweise  der Domschule in Güstrow und den Partikularschulen in Rostock und Parchim, erfahren wir: Nach der Güstrower Schulordnung von 1662 bestand das Ziel der Schulen darin, dass ein Schüler so lange die Schule besuchen sollte, bis er Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Musik und Arithmetik wohl studieret', Cicero, Terenz und Vergil "fleißig gehöret", Griechisch "ziemlich gefasset" hatte und imstande war, eine Epistel sowie annehmbare Verse­ in Latein zu schreiben. Nur so erhielt er das Entreebillet zur Universität. Schüler­gesetze geboten: "Wer deutsch spreche, solle den Esel tragen und zur Strafe Verse auswendig lernen", ‑ natürlich in Latein. Den "Esel tragen" bedeutete, dass den Säumigen als Zeichen ihres mangelnden Eifers eine Eselsmütze übergestülpt wurde.[1] Erst am 1. September 1682 sah sich Herzog Gustav Adolf gezwungen, Vergil und Horaz aus den Schulpensen streichen zu lassen. [2]

Im Jahre 1550 erscheint Georgius als "Stud. Mgr. Phil  aus Luneburgensis" im Matrikelbuch der Universität Rostock:

Universität Rostock Sigillum Universität Rostock traditio et innovatio

Sommersemester 1550, Nr. 28 Universität Rostock

Immatrikulation von Georgius Bonsack

 

Aus: http://rosdok.uni-rostock.de/resolve?id=rosdok_document_000000000176&img&page=0325

 

Einen kleinen Eindruck der örtlichen Gegebenheiten rund um die Universität Rostock

vermittelt die Abbildung vom Hopfenplatz (Blücherplatz), Rostocker Universitätsviertel um 1585

 

Unirost

Nach dieser Immatrikulation in Rostock studiert er noch bei Melanchthon und Luther in Wittenberg:

„Georgius Bonsack Student Uni Wittenberg MW 1544 aus Lüneburg

Er verlässt dort als Magister die Universität.

Anschließend wirkt er als M. Probst in Lüchow (Lüneburg, Lüchow).

In der Zeit von 1571 bis 1583 bekleidet er, unter Herzog Wilhelm d. Jüngeren, das Amt des Generalsuperintendenten in Celle.

Bekannt ist, dass Georgius Bonsack erst nach langem Zögern (3/4 Jahr!) der Aufforderung des Herzogs entsprochen hat, Generalsuperintendent zu werden.

Er war über die Eröffnung des Kanzlers des Herzogs, dass er das Amt übernehmen solle, sehr erschrocken.

Erhalten ist uns seine eigene Darstellung des Gesprächsverlaufes:

                        "Uff solche des Hern Cantzlers Rede habe ich rotunde geantwortet/

                        dass mir die vocation zu hoch und schwehr wäre/

                        Ich könte sie nicht annehmen/

                        und habe fleißig gebeten/

                        mich damit zu verschonen/

                        me horrere a disputationibus Theologorum, habe auch gebeten/

                        er wollte mich gegen M. G. F. und H. entschuldigen.

                        Der Herr Cantzler gesagt: Es wäre ein göttlicher Beruff/ 

                        den könte ich nicht ausschlahen/

                        da hülff nichts für/

                        ich müste den Beruff annehmen/

                        Er wollte aber meine Entschuldigung meinem Herrn anzeigen:

                        Ich solte zur mittags=Mahlzeit hinauf kommen/

                        bin also S.E. gegangen/

                        . "  s.S. 40/41

Georgius Bonsack, stirbt 1589 als Superintendent in Bardowiek "Placise", also in Frieden.[3]

Seine Tochter ist Anna Bonsack, Ehefrau des Bürgermeisters zu Oschersleben, Zacharias Engelbrecht.

Der Geburtstag von Annas Bohnsack ist nicht bekannt. Sie heiratet 1578 und stirbt 1601 in Oschersleben.[4]

Die abgebildete Schloßkapelle war offensichtlich 1571 - 1583 auch die Wirkungsstätte von Georgius Bonsack. Sie ist das kunstgeschichtliche Kleinod des Celler Schlosses. Geweiht wurde die Kapelle, in der nur die herzogliche Familie, deren Gäste und die höchsten Hofbeamten dem Gottesdienst beiwohnen durften, bereits 1485. Als spätgotisch erkennbar sind aber heute nur noch das Kreuzrippengewölbe, die Fenster und möglicherweise die doppelgeschossige Westempore. Die gesamte weitere Innenausgestaltung erfolgte erst zwischen 1565 und 1576 im Stil der Renaissance - zu einer Zeit, als die Herzöge von Braunschweig - Lüneburg längst protestantisch waren. Herzog Ernst der Bekenner (1497 - 1546) hatte bereits 1520 die Reformation in Celle eingeführt - also nur drei Jahre nach Luthers berühmten Thesenanschlag an der Wittenberger Schloßkirche. Sein Sohn, Herzog Wilhelm der Jüngere gab dann die prächtigen Emporen mit der Fürstenloge und den 25 Reliefs von Aposteln, Evangelisten und alttestamentarischen Figuren sowie die schöne Orgel in Auftrag.[5]

Aus dem Buch Wilhelm der Jüngere, Herzog von Braunschweig-Lüneburrg und Stammavter des … von H. Ch.Heimbürger erfahren wir 

einiges über den Amtsantritt und das Wirken des Georgius Bonsack in der Form eines Zeitkolorits:

So macht sich nach dem Tode des Vorgängers, Generalsuperintendent Ondermark, Herzog Wilhelm der Jüngeren seine Gedanken:

Über die Begründung von Georgius Bonsack für seine Ablehnung der Berufung ist weiterhin angeführt:

Während man seinen Amtsantritt noch gebührend würdigte, wurde er bald, nicht zuletzt wegen seiner mildtätigen Art, heftig angegriffen.

Es war schließlich eine „revolutionäre Zeit“.

Viele, die Tätigkeit unseres Namensvetters Georgius Bonsack beschreibende Dokumente sind in den Archiven

in Braunschweig und Celle noch erhalten und harren einer spannenden genealogischen Auswertung.



[1] Holzschnitt von Johann Bäumler, Augsburg 1479

[2] Artikel aus der Schweriner Volkszeitung 1998

[3] Zeitschrift der Gesellschaft für niedersächsische Kirchenge­schichte. Herausgb.:F.cohrs, 1915, Pastoren der Landeskirchen Hannovers und Schaumburg-Lippes seit der Reformation, Göttingen 1942

[4]nach Fritz Roth: Auswertung von Leichenpredigten

[5] Zitiert aus: Residenzschlösser in Deutschland, ADAC-Freizeit-Atlas, ADAC Verlag GmbH, München 1994, S.12