Paradiesmeister Bonsac

 

Der sogn. Paradiesmeister führt als erster in Deutschland beim Bau des Paradieses 

im Kloster Maulbronn die frühgotische Bauweise ein (ab 1201).

Einige Jahre später (1220-1230) tritt er vermutlich auch als Werkmeister beim Bau des Magdeburger Domes in Erscheinung. 

Hier nennt man ihn wahrscheinlich auch Meister Bonsac.

Eine Steinplastik vom Meister Bonensack befindet sich auf einer Baumeisterkonsole im Magdeburger Dom 

(obere Abbildungen) 

Im Kloster Maulbronn schuf er mit seiner Zisterzienser-Bauhütte 

u.a. das Brunnenhaus, die Vorhalle, den Speisesaal und die Grundlagen der Kirche 

(untere Abbildungen v.l.n.r. aus P. R. Anstett)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Beweis für die Identität des Maulbronner und des Magdeburger Baumeisters scheint gegeben

1.  durch die Gleichartigkeit von Baustilmerkmalen in Kloster Maulbronn und dem Magdeburger Dom (sowie an weiteren Baustellen, wie Burg Neipperg, Kloster Walkenried, Dom zum Heiligen Kreuz in Nordhausen, Kloster Ebrach, ...) 

2.  durch die Signierung der unterschiedlichen Baustellen mit dem Baumeisterzeichen auf den Kragsteinen

Die folgende Übersicht demonstriert die Übereinstimmung der Baustilmerkmale an unterschiedlichen Baustellen des Mittelalters (zwischen 1200 und 1240) in Deutschland, die vermutlich alle auf den Paradiesmeister zurückgehen:

·       Gleiche Außen- und Innengestaltung des Maulbronner Kreuz-, und Magdeburger Bischofsgangs

·       Ersatz der Dienste, die tragende Teile auflösen, durch Säulenbündel

·       Weitgehende Übereinstimmung der Maßwerks-Fenster

·       Formgleiche Kapitelle

·       Gleiche Form der Kämpferprofile (Aufsatz über dem Kapitell)

·       Identische Kragsteinformen und –signierungen mit Sichelmotiven

Ähnlichkeit der Merkmale in Bauwerken des „Paradiesmeisters“ 

an verschiedenen Orten (unvollständig)

                               

Baustelle

 

 

 

vermutl. Bauzeit  

Merkmal

Kloster Maulbronn

1201 - 1225

Dom zu Magdeburg

1207 - 1240

    KlosterEbrach   Michaelskapelle

vor 1207

Burg      Neipperg

1230

Kloster Walkenried

1209 - 1290

Dom zum Heiligen Kreuz  Nordhausen

nach 1234

Kreuz-/Bischofsgang außen

 

 

 

 

Kreuz-/Bischofsgang

innen

 

 

 

Säulenbündel (Dienste, die tragende Teile auflösen )

 

 

 

(Maßwerks-) Fenster

 

Kapitelle

Kopfteil einer Säule

 

 

 

 

Kämpferprofile (Aufsatz über dem Kapitell)

 

 

 

 

 

Kragsteine

mit Steinmetz-, Baumeister-, Hüttenmeister oder Bauhüttenzeichen

bzw. mit noch nicht entschlüsselten Zisterziensermotiven

      

2x mit Lilien              200 x mit )(

4 Fotos St.Schappler

ebenfalls links und rechts oben an einem Kamin im Frühmesserhaus sowie am Dach der Vorhalle

Fotos: F. Grünberg-Ernst

 

sehr großes Baumeisterzeichen am Eingang zum Bischofsgang

Steinmetzzeichen ""

ein rundes m oberhalb des Baumeisterzeichens

Foto Roswitha Boos/Viernheim

 

kleines Zeichen in der 

Oberzone des Langhauses

 

 

 

 

 

 

 

 

Kopie von Silke Brack, Vae aus Wiemer, Die Baugeschichte und Bauhütte der Ebracher Abteikirche

an der Tür zum Treppenaufgang am Wohnturm

Foto: Rainer Kunze/Mannheim 

 

Südseite des spätgotischen Chorpolygons (östlicher Kragstein oben und westlicher Kragstein unten)

- nach Maier/Keibel-Maier angebl     "kein Meisterzeichen"

Fotos:  Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried:

in der Nordseite des Chores (o.) und in der Südseite (u.)

Fotos Pfarrer Richard Hentrich

Die Mondsichel-Zeichen im Chor des Domes zu Nordhauen befinden sich unmittelbar neben den Stiftern des Domes Heinrich I. und Mathilda. [1]

Auf der Nordseite des Chores und auf der Südseite des Chores

Aus der Sicht unserer Namensträger-Genealogie wird durch die identische Kragsteingestaltung an unterschiedlichen Bauwerken  nicht unbedingt der Beweis erbracht, dass der Magdeburger Baumeister Bonensack mit dem mondsichelsignierenden Baumeister identisch ist. Darüber ist bislang kein, z.B. urkundlicher Nachweis vorhanden. Hinweise finden sich lediglich in Publikationen z. B.  bei C. L. Brandt, G. Dehio, W. Eiermann, M. Hasak, H. Steuerwald, K. Maier/M. Keibel-Maier und B. Moritz (s. unter weiterführende Literatur). 

Baumeisterkonsole in Magdeburg Baumeisterkonsole im Dom zu Magdeburg 

 

Ebenso kann nur vermutet werden, dass der Paradies-Baumeister, wegen der zur Zeit  seiner Bautätigkeit in Maulbronn vorgenommenen 

umfangreichen Signierung mit den beiden antithetischen Halbmonden, aus dem Geschlecht derer von Magenheim stammt 

Mangold, Retsch und von Lamezan vermuten in der Stammtafel den  Zeisolf II. von Magenheim    [2] 

Grabplatte derer von Magenheim und Neifen (ohne Datierung)      

Wappen derer von Magenheim nach SIEBMACHER  Erkenger v. Magenheim 1286   

Es gibt darüber hinaus mehrere Geschlechter in Deutschland, die Mondsichel im Wappen führen (s. unter Weiterführende Literatur) 

                                       

Unbestritten ist jedoch, dass der Paradies-Baumeister ein großer, in Deutschland sehr anerkannter Architekt, bzw. Leiter einer Bauhütte und sicher dem Zisterzienserorden verpflichtet war.

 

Über den Namen Bonensack des Baumeisters auf dem Kragstein im Magdeburger Dom äußert sich bereits 1582 der Domprediger Sack in einer seiner Predigten über den Dom: ,,Ist von eiteln Werckstüeken erbawet und hat der meister der die pfeiler gebawet Bone Sack geheißen, wie er sein bild am ersten pfeiler vorm Chor, do der Herren Bohrkirche gebawet in einen stein ausgehauwen, als der auff einem stein nieder kniet vnnd einen kleinen runden pfeiler anffn nacken als eine schwere last tregt."

 

Literaturauswahl

Anstett, Peter, R. : Kloster Maulbronn, Herausg. v. Staatl. Liegenschaftsamt Karlsruhe, 4. Aufl.,

Brandt, C. L.: Der Dom zu Magdeburg, Magdeburg 1863, S.9

Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, 1914, (S. 129 u. 265 über Maulbronn, Walkenried, sowie Nordhausen)

Eiermann, Wolf: Dem König nah – die Herren von Magenheim, in: Zeitschrift des Zabergäuvereins 2002-2006  

und: Die Wohnburg der Herren von Magenheim – Eine Frühform der Residenzbildung im 13. Jahrhundert?, Mittlg. Residenz-Kommission  AdW Göttingen, Jhrg. 17 2007 Nr.2 

Giesau, Hermann: Der Erbauer Der Klosterkirche Zu Walkenried

Hasak, M. : Zur Geschichte des Magdeburger Dombaues, Zeitschrift für Bauwesen, JAHRGANG XLVL 1896

Kunze, Rainer: Das Zabergäu – auch eine Burgenlandschaft, Zeitschrift des Zabergäus, Heft 1/2 Jahrgang 2001 (u.a. über Burg Neipperg)

Maier, Konrad; Keibel-Maier, Maria: Kloster Walkenried. Baukunst der Zisterzienser, München-Berlin 2007 

Sack, Siegfried: Predigten über die Sonntangsevangelien, IV. Blatt 197 ff. 1.Auflage 1591, 2. Aufl. 1597

Schubert, Ernst: Der Dom zu Magdeburg, Eine Einführung, Berliner Verlagsunion 

Steuerwald, Hans: Der Reitermeister von Bamberg und Magdeburg, 1968 Kulturbuchverlag

Thieme, K., Sommer, R., Wolfe, S.: Das Große Buch der Stile. Die Romanik (750-1250), Reinhard Welz Vermittler Verlag Mannheim

Wiemer, Wolfgang: Die Baugeschichte und Bauhütte der Erbracher Abteikirche, 1958 

und: Zisterzienserabtei Ebrach, Klosterführer, Geschichte und Kunst, München-Zürich 1992

Überblick über die Lage der Arbeitsorte des Paradies-Baumeisters-Bonensack

 

[1]Der Dompfarrer Hentrich bemerkt dazu: "Auf der Südseite, wo Heinrich I. seinen Platz im 13. Jahrhundert gefunden hat, wurde sogar für diesen am Bogen Platz geschaffen, wie das 2. Foto belegt."  

[2]  Marianne Mangold, Gottfried Retsch, Renate Freifrau von Lamezan: Burg Magenheim, von der Stauferzeit zur Gegenwart, 2000

 

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